Große Ereignisse wirken nach: Bürger diskutieren "Was bleibt nach Blockupy?"

Veranstaltungsreihe der "Bürger-Universität Frankfurt"
Verfasst von Anonymous am 28. Oktober 2015 - 11:32

Über ein halbes Jahr nach der Blockade und den Aktionen gegen die EZB-Eröffnungsfeier am 18. März dieses Jahres ist Blockupy nach im Gespräch. Das drückt sich auch in der Veranstaltungsreihe der "Bürger-Universität Frankfurt" aus, die im November die Frage "Was bleibt nach Blockupy?" stellt - und dies mit Vertreter/in der herrschenden Macht und Institutionen, aber auch einigen kritischen Bürger/innen diskutieren will. Wie weit das wirklich Sinn macht, oder nur die Selbstdarstellungsbühne aus der Chefetage von Polizeipräsidium, Stadtregierung, EZB, Goethe-Uni und FAZ-Medien ist, wird sich zeigen. Mit dem Polizeipräsident, dem Oberbürgermeister, dem Abteilungsleiter Generalsekretariat EZB, dem Chefredakteur der FNP und der Präsidentin der Universität ist es von institutioneller Seite her zumindest prominent besetzt. Bleibt natürlich auch die Frage, wird alles verboten, gekesselt oder im Tränengasnebel erstickt?

2. November 2015: WUT, OHNMACHT, GEWALT? Protestkultur in Frankfurt
Gerhard Bereswill (Präsident, Polizeipräsidium Frankfurt), Oberbürgermeister Peter Feldmann, Rainer M. Gefeller (Chefredakteur Frankfurter Neue Presse), Dr. Elke Steven (Demonstrationsbeobachterin des Komitees für Grundrechte und Demokratie e.V.), Lisa Katharina Bogerts (Exzellenzcluster „Die Herausbildung Normativer Ordnungen“, GU, und Redakteurin der Zeitschrift für Internationale Beziehungen, ZIB)
Moderation Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)
16. November 2015: NACh BLOCKUPY UND G7 Kapitalismuskritiker heute
Gabriel Glöckler (Abteilungsleiter Generalsekretariat, Europäische Zentralbank), Prof. Jan Pieter Krahnen (Lehrstuhl für Kreditwirtschaft und Finanzierung, GU), Prof. Andreas Nölke (Professur Internationale Beziehungen und Internationale Politische Ökonomie, GU), Prof. Werner Plumpe (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, GU), Thomas Seibert (Vertreter von medico international im attac-Rat)
Moderation Daniel Baumann (Frankfurter Rundschau)
18. Januar 2016: IM RAUSCH ÖFFENTlICHER VORURTEILE Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?
Anke Domscheit-Berg (Publizistin und Netzaktivistin), Prof. Rainer Forst (Professur für Politische Theorie und Philosophie, GU), angefragt: Prof. em. Karl Homann (Wirtschaftsethiker, bis 2008 an der LMU München), Prof. Birgitta Wolff (Präsidentin der Goethe-Universität)
Moderation Bascha Mika (Chefredakteurin, Frankfurter Rundschau

Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, H IV
Beginn jeweils 19.30 Uhr

Was bleibt nach Blockupy?
Brennende Autos, Steingeschosse, verletzte Polizisten und Demonstranten – die Bilder der Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen im Umfeld der EZB-Neueröffnung im Frühjahr 2015 bestimmten das Echo nationaler und internationaler Medien. Die vergleichsweise friedlichen Proteste gegen die europäische Wirtschaftspolitik fanden dagegen kein vergleichbares Echo. Es herrschte allgemeine Erschütterung angesichts dieser unerwarteten Gewalt, die weder von Seiten der Veranstalter, noch von der Polizei vorhergesehen worden war.
Warum eskalierten die Proteste und was sagt das über eine möglicherweise veränderte Protestkultur?
Mit einem zeitlichen Abstand von mehr als einem halben Jahr möchte die Diskussionsreihe „Was bleibt nach Blockupy?“ noch einmal – mit nüchternem Blick – auf die Ereignisse vom März 2015 zurückblicken. Dabei soll es nicht nur um die Gewalt und das Spannungsverhältnis zwischen Demonstranten und Polizei gehen, sondern auch um die Politik der EZB und die Rollen der unterschiedlichen Akteure.

2. November 2015: WUT, OHNMACHT, GEWALT? Protestkultur in Frankfurt
Die morgendliche Krawalle und die gewalttätige Auseinandersetzungen im Frankfurter Ostend prägten die Wahrnehmung des Blockupy-Aktionstags, der anlässlich der EZB- Eröffnung am 18. März stattfand. Dabei demonstrierten nach- mittags 20.000 Menschen friedlich gegen die europäische Wirtschaftspolitik. Durch die Dominanz der Gewaltbilder vom Vormittag schienen jedoch die eigentlichen Botschaften und Ziele des Protests marginalisiert zu werden. Kann man Gewalt bei Demonstrationen verhindern? Verändern sich die Artikulationsformen und Modi des politischen Protests? Welche Auswirkungen haben die Ereignisse und die Debatte um Blockupy auf die Frankfurter Protestkultur?

16. November 2015: NACh BLOCKUPY UND G7 Kapitalismuskritiker heute
Die kanadische Journalistin und Globalisierungskritikern Naomi Klein formulierte an die Adresse der EZB: „You are the true vandals. You don’t set fire to cars, you are setting the world on fire”. Auch wenn selbst unter den Kritikern der EZB nicht jeder diese radikale Analyse teilen dürfte, so kann nicht übersehen werden, dass die Kritik an der europäischen Wirtschafts- und Krisenpolitik und ihren lokalen und globalen Folgen nicht nur in den direkt betroffenen Ländern lauter wird. So finden in Spanien, Griechenland und Portugal radikale Par- teien des linken und rechten Spektrums immer mehr Zulauf. Auch in Deutschland artikuliert sich zunehmend Protest. Nicht wenige fordern eine demokratischere, sozialere und ökologischere Politik. Welche Analysen stehen hinter dieser Kritik? Welche Rolle spielt die EZB? Welche Alternativen werden formuliert?

18. Januar 2016: IM RAUSCH ÖFFENTlICHER VORURTEILE Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?
Im Stakkato medialer Aufmerksamkeiten schlägt die Ausei- nandersetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen in der öffentlichen Behandlung schnell um in emotions- und sensationsgetriebenen Alarmismus. Oftmals ist ein öffentli- ches Urteil schneller gefällt als die Möglichkeit, Hintergründe und Motive zu verstehen und nachzuvollziehen – ob es nun um Blockupy, PEGIDA, die GDL, die Debatte um die Schulden Griechenlands oder die Außenpolitik gegenüber Russland geht. Der Begriff des Verstehens scheint in Misskredit ge- raten zu sein. Was verbirgt sich hinter diesen Phänomenen? Eine Schwäche der Debattenkultur? Die Vorstellung, dass es da sowieso nichts zu verstehen gibt? Sind sie ein Hinweis auf einen problematischen Umgang mit Differenz oder auf ideo- logie- und normgeleitete Denkverbote? Oder beobachten wir einen Strukturwandel der Öffentlichkeit zu einer „Demokratie per Shitstorm“? Unter welchen Vorzeichen sollen und müssen öffentliche Aushandlungen in einer Demokratie stehen?

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